Organsysteme der Gastroenterologie

Wir Gastroenterologen bezeichnen uns selber gerne als die „letzten verbliebenen Generalisten der Inneren Medizin“, denn im Gegensatz zu den anderen internistischen Fächern (Kardiologie, Pneumologie, Nephrologie,….) beschäftigen wir uns nicht nur mit einem einzigen speziellen menschlichen Organ, sondern mit einer ganzen Vielzahl unterschiedlicher Organe und Organsysteme. Das Zusammenspiel dieser Organe mit ihren zum Teil sehr unterschiedlichen Krankheitsmechanismen machen dieses Fach so wahnsinnig interessant, abwechslungsreich und erfordert interdisziplinäres Arbeiten in Teams aber auch über die Grenzen der eigentlichen Gastroenterologie hinaus. Wir denken noch ganzheitlich oder wie man heute sagt: viszeralmedizinisch!

 

 

 

  • Speiseröhre und Magen

    Die Speiseröhre ist die Eintrittspforte in unsere Organsysteme und dient dem Nahrungstransport in den Magen. Neben vielen verschiedenen entzündlichen Erkrankungen der Speiseröhre und des Magens (u.a. Refluxösophagitis; Soorösophagitis; Gastritis Typ A, B, C; Ulcus ventriculi; …..) und deren Folgen (z.B. Ulcusblutung) diagnostizieren und behandeln wir aber auch tumoröse Erkrankungen des oberen GI-Traktes (Ösophagus-Ca, Magen-Ca) sowie deren Vorstufen (z.B. Barrett Ösophagus). Darüber hinaus gibt es aber noch eine Vielzahl an weiteren nicht entzündlichen oder tumorösen Erkrankungen, die die Speiseröhre und/oder den Magen betreffen (z.B. Achalasie, Speiseröhrendivertikel, Gastroparese,…) und unser ärztliches Handeln erfordern.

  • Darm

    Der Darm als eigentliches Verdauungsorgan kann ebenfalls durch entzündliche (z.B. M. Crohn, Colitis ulcerosa,…) oder tumoröse (z.B. Kolonkarzinom) aber auch durch infektiöse (versch. Gastroenteritiden, M. Whipple, ….) und nicht-infektiöse Erkrankungen (z.B. Divertikulose, Zöliakie,…) betroffen werden. Die Erfolgsstory der Gastroenterologie des letzten Jahrzehnts spielt sich jedoch im Kolon ab. Hier ist es durch die Vorsorgekoloskopie mit der Entfernung von Kolonpolypen als Krebsvorstufen gelungen, die Darmkrebshäufigkeit in Deutschland zu senken. Man hat errechnet, dass in den letzten 10 Jahren mindestens 100.000 Darmkrebsfälle durch eine Vorsorgekoloskopie verhindert werden konnten.
    Unser Dünn- und Dickdarm als eines der größten menschlichen Organsysteme ist aber auch Heimat unseres Mikrobioms und beherbergt bis zu 100 Billionen Bakterien. Das Mikrobiom spielt schon heute eine wichtige Rolle in der Entstehung von Autoimmunerkrankungen, der Adipositas aber auch von Depressionen. Zukunft offen und höchst spannend …

  • Leber

    In der Leber werden viele für den Körper benötigte Proteine (z.B. Albumin und Gerinnungsfaktoren) produziert als auch nicht verwertbare, über den Darm aufgenommene und über den Pfortaderkreislauf zur Leber transportierte Stoffe entgiftet. Vielfältige Noxen wie Alkohol oder Medikamente, Durchblutungsstörungen, Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Krebserkrankungen können zu einer Funktionseinschränkung der Leber mit erheblichen Folgen (z.B. Ikterus, Enzephalopathie, Gerinnungsstörungen, Aszites, Ödeme …) für den menschlichen Körper bis hin zum Leberversagen führen. Die Behandlung dieser vielfältigen Lebererkrankungen umfasst ein sehr großes Spektrum von der reinen medikamentösen Therapie bis hin zur Lebertransplantation.

  • Gallenwege

    Die intra- und extrahepatischen Gallengänge sowie die Gallenblase dienen der Ausscheidung der in der Leber gebildeten Gallenflüssigkeit in das Duodenum. Erkrankungen der Gallenwege aber auch der Gallenblase führen daher häufig zu einer Retention der Gallenflüssigkeit und zu einem Rückstau in die Leber mit der Folge eines schmerzhaften oder auch schmerzlosen Ikterus, Entfärbung des Stuhlganges, Dunkelfärbung des Urins und fieberhaften Infektionen. Ursache können Gallensteine, Tumoren der intra-und extrahepatischen Gallenwege oder des Pankreas bzw. der Papille sein. Diagnostisch werden von uns Gastroenterologen bildgebende Verfahren (Sonographie, Endosonographie) und therapeutisch interventionell endoskopische Verfahren (z.B. Steinextraktion aus dem DHC mittels ERCP, Stenteinlage in den DHC bei Pankreaskopftumoren mittels ERCP) durchgeführt. Darüber hinaus werden akute Entzündungen der Gallenblase (z.B. durch Gallensteine) konservativ bzw. operativ behandelt.

  • Bauchspeicheldrüse

    Die Bauchspeicheldrüse produziert Verdauungsenzyme (exokrine Funktion) und reguliert unseren Blutzucker (endokrine Funktion). Die häufigsten Erkrankungen dieses sehr empfindlichen Organs sind neben der Entwicklung eines Diabetes mellitus die akute bzw. chronische Pankreatitis und das Auftreten von prognostisch leider unverändert schlechten bösartigen Tumoren. Therapeutisch reicht unser Spektrum von medikamentösen Therapien, interventionell endoskopischen Verfahren (insbesondere ERCP) über intensivmedizinische Therapien bei schwer verlaufenden akuten Pankreatitiden und operativen Verfahren bis hin zur palliativen Therapie bei Pankreaskarzinomen.

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„Der Darm beeinflusst unser Denken und Fühlen maßgeblich.“

Prof. Dr. med. Ahmed Madisch, Hannover

Kein Wunder, warum man im Volksmund vom Bauchgefühl, von den Schmetterlingen im Bauch und von der Entscheidung aus dem Bauch heraus spricht. Als größtes Organ im Bauch besitzt der Darm mehr Nervenzellen als das Rückenmark und ist – zugespitzt gesagt – eine Art zweites Gehirn. ...

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„Die Gastroenterologie erfordert interdisziplinäres Denken – und das macht Spaß!“

Silvia Würstle, München

Kein Bereich der Medizin ist so weit gefächert wie die Gastroenterologie. Hier in der Mitte des Körpers ist die Schnittstelle für unzählige Erkrankungen. Das erfordert interdisziplinäres Denken – und das macht Spaß!